Clever zur Mietwohnung

Interview mit Martin Windisch – Inhaber von Windisch Immobilien

Der Mietmarkt ist hart umkämpft, besonders in München und dem dazugehörigen Einzugsgebiet. München wächst und der Wohnraum ist knapp. Makler und Anbieter erhalten auf Wohnungsanzeigen nicht selten über hundert Anfragen und noch mehr. Häufig wird ein Angebot von Anbieterseite schon nach wenigen Stunden deaktiviert, um nicht überrollt zu werden. Wie also geht man als Suchender am besten vor?

Herr Windisch, was raten Sie Ihren Kunden, die eine Mietwohnung suchen – ohne, dass es im Marathon endet? Wer schnell handeln kann, ist klar im Vorteil. Für die Praxis bedeutet das: gleich bei der Anfrage die persönlichen Unterlagen mitschicken, oder bereits vorbereitet vorliegen haben. Die wenigsten Mietinteressenten wissen um die hilfreichen Dokumente, welche die Anfrage für einen Besichtigungstermin erleichtern. Leider wird dieser Punkt, der in der Praxis wirklich ein Vorteil ist, zu häufig vergessen. Nutzen Sie die Chance und setzen Sie sich von der Masse ab: Mit persönlichem Anschreiben (inkl. Foto), Mieter-Selbstauskunft, Einkommensnachweisen und gegebenenfalls Vormieterzeugnis begeben Sie sich definitiv auf die Überholspur.

Wie wichtig schätzen Sie ein persönliches Anschreiben ein?
Aussagekräftige Anschreiben (ohne jedoch zu sehr ins Persönliche zu gehen) ermöglichen es dem Makler und Eigentümer im Vorfeld einen persönlichen Eindruck von Ihnen zu bekommen. Damit erhöhen sich auch die Chancen auf einen Besichtigungstermin und der Abgleich mit dem gewünschten Profil des Eigentümers. So sparen Sie sich z.B. einen Besichtigungstermin und damit auch Zeit. Auch wenn es nur empfohlen wird, vertrete ich die Meinung dass ein Bild mehr aussagt als 1000 Worte und dies sollte in einem Anschreiben integriert sein. Zudem haben die Interessenten die Möglichkeit kurz zu erläutern warum sie sich für diese Mietwohnung bewerben.

Herr Windisch, wie sehen Sie das Thema Datenschutz als Makler in Umgang mit den Bewerbungsunterlagen von Mietinteressenten? Die Bewerbermappe steht ohne Frage im Dilemma von Datenschutz und rechtlichen Grauzonen. Deshalb geben Sie nur die Daten weiter, womit Sie sich wohl fühlen und im Zweifelsfall beschränken Sie sich auf harte Fakten. Es gilt der Grundsatz: Ehrlich sein und Transparenz schaffen, das hilft beiden Seiten am meisten. Reden Sie offen mit dem Makler/Eigentümer über Ihre Wünsche und Ansichten!

Wer entscheidet schlussendlich darüber welcher Bewerber die Wohnung bekommt?
Natürlich kann nur ein Mietinteressent Erfolg haben – letztendlich ist das die Entscheidung des Eigentümers. Dieser Umstand ist unterm Strich „sportlich“ zu sehen, v.a. wenn Ihnen die Wohnung besonders gut gefallen hat, die finale Wahl aber nicht auf Sie gefallen ist. Allerdings ist es bei Mietwohnungen mittlerweile schon ein Privileg in den engsten Bewerberkreis vorzudringen. Seien Sie also nicht traurig, wenn es nicht auf Anhieb beim 1. Versuch klappt. Generell erleichtert die Mieterauswahl ein bisschen Menschenkenntnis und Erfahrung. So finden wir recht zuverlässig heraus, mit wem wir es gerade zu tun haben. Natürlich können auch wir uns mal täuschen (was aber in all den Jahren nur äußerst selten vorgekommen ist). In Kombination mit einer faktenbasierten Überprüfung entsteht aber eine recht zutreffende Einschätzung. Ein persönliches Gespräch bei der Besichtigung ermöglicht es sehr gut herausfinden, wie gut der Mieter zur bisherigen Hausgemeinschaft, ins Umfeld, oder auch zum Vermieter passt.

Herr Windisch, können Sie uns kurz über ein amüsantes oder herausragendes Erlebnis aus Ihrer Vermietungspraxis berichten?
Natürlich gibt es sehr viel lustige und prägende Erlebnisse. Gerne denke ich immer wieder an Bewerbungen zurück, die sich zunächst zu zweit vorstellen, aber dann in einem Bewerbungsschreiben noch das Ultraschallbild von dem ungeborenen Kind mit dran heften, so dass der Vermieter weiß, dass die beiden in nahe Zukunft zu dritt sind. Ebenso denke ich auch an Fälle zurück, wo zum Beispiel die Mietinteressenten zum Besichtigungs-termin in Badelatschen gekommen sind. Es kam mir vor, als ob sie gerade noch am See gewesen sind und sich mal kurz nebenbei ein Haus ansehen wollten.

Wo liegt für Sie als Makler die größte Herausforderung in der Vermarktung einer Mietwohnung im Gegensatz zu einer Eigentumswohnung?
Vermutlich ist es die größte Herausforderung, am Ende die Wünsche und Anforderungen des Vermieters mit den Vorstellungen des Mieters an das Vertragsobjekt in Einklang zu bringen. Wir stellen immer wieder fest, dass manche Vermieter übertriebene Ansprüche an den Mieter haben und glauben, dass sie bei einem „alten, unrenoviertem Objekt“ eine Villa vermieten.

Was ist Ihr FAZIT um auf der Suche nach einer Mietwohnung erfolgreich zu sein?
Die wichtigsten Faktoren für den Erfolg sind Schnelligkeit in der Bereitstellung der Mieterunterlagen in Kombination mit der Übereinstimmung des Mieter-Anforderungsprofils. Sicherlich spielt aber auch die menschliche Komponente der Sympathie eine Rolle.

Am Ende sollte das Gesamtpaket entscheiden. Das fängt schon mit dem Auftreten bei dem Besichtigungstermin an und zieht sich wie ein roter Faden bis hin zum Vorstellungstermin bei den Vermietern (und darüber hinaus).

20.07.2021/ SN

 

Was gehört in die Unterlagenmappe für die Mietwohnung

  1. Anschreiben/ Motivationsschreiben
  • *Ein Bild von den Personen, die einziehen möchten (nicht zwingend, aber *empfohlen)
  • Haushaltsgröße und wie sich der Haushalt zusammen setzt (Anzahl der Kinder, WG,  ect.)
  • Angaben zu Haustieren
  • Berufliche Tätigkeit
  • Alter
  • Grund für Interesse an der Wohnung
  • Grund für die Wohnungssuche
  • Kontaktdaten
  • Auflistung der Anlagen
  1. Mieter-Selbstauskunft
  • Angaben zum Familieneinkommen (monatliche Höhe der Einkünfte aus Gehalt/Lohn, Rente, Arbeitslosengeld)
  • Alter
  • Berufliche Tätigkeit
  • Haushaltsgröße und wie sich der Haushalt zusammensetzt (Anzahl der Kinder, WG, ect.)
  • Angaben zu Haustieren
  1. Die letzten zwei Gehaltsabrechnungen
  2. SCHUFA-Auskunft/Bonitätsnachweis
  3. *Arbeitgeberbestätigung und *Mietzahlungsbestätigung
    (nicht zwingend, aber *empfohlen)